Gedichte zur Weihnachtszeit 

 

Weihnachtsbäumlein
Christian Morgenstern

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzelein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tat's da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

 

 

Katzenweihnacht 
Edith Schreiber-Wicke

 

Glitzerfäden fein zu fangen.

Auch zu fressen?

Weiß nicht recht.

Mir wird schlecht.

Bunter Ball an Silberschnur

hängt am Baum.

Bleibt er dort?

Glaub ich kaum.

Kann er hüpfen?

Kann er nicht!

Rollt ein Stück

und zerbricht.

Kletterbaum mit grünen Nadeln,

Stern im Wipfel

nicht noch sacht.

Bin ich  müde:

Stille Nacht.

 

 

Vom Christkind
 Anna Ritter

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

 

 

Weihnachten
Joseph von Eichendorff

Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern! Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen - O du gnadenreiche Zeit!

 

 

Der Stern
Wilhelm Busch

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wär' wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.

 

 

Advent
Rainer Maria Rilke

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

 

 

Christkindchen
alter Kindervers 

 

Christkindchen, ich will artig sein,

bescher mir was in mein Schüsselein,

Äpfel, Nüsse, eins, zwei, drei,

und ein Püppchen auch dabei.  

Christkindchen, komm in unser Haus,

leer deine große Tasche aus,

stell dein´ Schimmel untern Tisch,

dass er Heu und Hafer frisst.  

Heu und Hafer frisst er nicht –
Zuckerbrezel kriegt er nicht.

Ei du lieber, heil´ger Christ!

Komm nur nicht, wenn’s finster ist,

komm im hellen Mondenschein,

wirf mir Nüss´ und Äpfel rein.

 

 

Vom Schenken
Joachim Ringelnatz 

 

Schenke groß oder klein,

aber immer gediegen.

Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,

sei dein Gewissen rein.

 

Schenke herzlich und frei.

Schenke dabei, was in dir wohnt

an Meinung, Geschmack und Humor,

so dass die eigene Freude zuvor

dich reichlich belohnt.

 

Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk, dass dein Geschenk –

Du selber bist.

 

 



zurück zur Weihnachtsseite


counter