Eine
Katze aus dem Tierheim?

Das
Kätzchen blickt traurig durch die stahlgrauen Gitterstäbe. Sein Augenaufschlag
ist schier herzzerreißend. Man hat nur noch eines im Sinn: Das arme Tier aus
seinem Gefängnis zu befreien; es aus dieser betonierten Zelle zu holen und ihm
ein gemütliches, liebevolles zu Hause zu bieten...
Die
Idee ein gutes Werk zu tun, ist schnell gefasst. Die Adoption einer
Tierheim-Katze ist ohne Frage eine gute Tat und schon Tausende Male haben sich
auf diesem Weg Freunde gefunden, die bereits nach wenigen Tagen unzertrennlich
waren. Doch leider gibt es auch die Gegenseite: Menschen, die dem bittenden
Blick eines Tierheimtieres nicht widerstehen können und erst Wochen später
feststellen, dass sie überhaupt nicht dazu in der Lage sind, mit ihrem neuen
Familienmitglied zurechtzukommen. Die traurige Konsequenz: Viele vermittelte
Katzen landen erneut im Tierheim oder werden kurzerhand ausgesetzt.
Die
Situation der betroffenen Katzen verschlechtert sich dadurch rapide. Erneut
erleben sie einen Vertrauensbruch: den Verlust ihrer Bezugspersonen, eine Veränderung
des Lebensraums, Orientierungslosigkeit. Die Anzahl traumatischer Erlebnisse
potenziert sich. Viele Katzen reagieren darauf mit Verhaltensstörungen und
einem tiefsitzenden Misstrauen gegenüber Menschen.
Das
Katzenglück hat zwei Seiten
Wer
sich dazu entschließt, einem ausgesetzten oder einfach im Tierheim abgegebenen
Vierbeiner eine neue Heimat zu bieten, sollte sich diese Entscheidung reiflich
überlegen und erst dann einen Stubentiger adoptieren, wenn alle äußeren Umstände
geklärt sind. Katzen stellen nun einmal bestimmte Anforderungen an ihre
Besitzer und diesbezüglich stehen Tierheimkatzen ihren hochbezahlten
reinrassigen Artgenossen in nichts nach. Katzen sind wundervolle Wesen, die ein
menschliches Leben durchaus bereichern und abwechslungsreicher machen. Katzen
sind allerdings auch Wesen, die unter Umständen ab und zu an Tapeten und
Polstermöbeln kratzen, aus Protest auf das gute Sofa urinieren, den Teppich mit
unzähligen Haaren verschönern, sich von Zeit zu Zeit aus vollem Hals übergeben
und von ihren Besitzern tägliche Aufmerksamkeit und Zuneigungsbeweise fordern.
Katzen lassen sich auch nur bedingt erziehen: Wer von ihnen die Folgsamkeit
eines gedrillten Schäferhundes erwartet, wird sicherlich bitter enttäuscht
werden. Katzenfreunde stören all diese Eigenschaften herzlich wenig. In der Tat
überwiegen innerhalb der Katzenhaltung natürlich eindeutig die Vorteile und es
ist nicht wirklich schwierig, mit etwas problematischeren Charaktereigenschaften
einer Katze klarzukommen. Dennoch sollte sich jeder, der bislang noch keine
Erfahrungen mit der Katzenhaltung hat, solche Aspekte vor Augen führen. Wer
Wert auf eine makellose, pingelig gepflegte Wohnung legt und dem jedes Staubkorn
ein Dorn im Auge ist, wird seiner Katze entweder den lieben langen Tag hinterher
putzen müssen oder besser auf die Anschaffung eines Stubentigers verzichten.
Bei
Nichtgefallen zurück an den Absender?
Es
ist erschreckend, wie oft es zu Fehlentscheidungen kommt. "Erst gestern
stand ein Katzenkörbchen vor unserem Tor. Der Impfausweis der Katze lag im
Briefkasten", erzählt Marion Niederdorf, die Leiterin vom Städtischen
Tierheim Mülheim an der Ruhr. Für weitere Aufregung sorgte die Tatsache, dass
das Türchen des Katzenkorbs offen stand und die Katze bereits das Weite gesucht
hatte. Nur durch einen glücklichen Zufall gelang es den Mitarbeitern des
Tierheims, die entkommene Katze aufzuspüren und einzufangen.
Tragischerweise handelte es sich bei diesem vermeintlichen Neuzugang um einen
Stubentiger, der erst eine Woche zuvor vermittelt worden war.
"Offensichtlich erfüllte ‘Minka’ nicht die Erwartungen ihrer neuen
Familie", so Marion Niederdorf. Derartige Ereignisse stimmen die
Tierheim-Leiterin traurig. Zumal sie sich wirklich Mühe gibt, jeden
Interessenten kompetent zu beraten und deutlich darauf hinweist, dass es gerade
in der Eingewöhnungsphase zu Komplikationen kommen kann. Nicht alle
unzufriedenen Tierbesitzer stellen ihre Vierbeiner kommentarlos vor den Türen
des Tierheims ab: "Es ist auch schon vorgekommen, dass sich Leute beschwert
haben, weil ein von uns vermitteltes Tier angeblich aggressiv geworden
sei", berichtet Marion Niederdorf. Natürlich kann sie keine Garantie für
das Verhalten oder die Gesundheit vermittelter Katzen geben.
Zwar
werden alle Katzen des Mülheimer Tierheims von einem Veterinär untersucht und
geimpft, aber dadurch ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, dass ein
Tier zu einem späteren Zeitpunkt dennoch erkranken kann. Tumore und viele
andere Erkrankungen lassen sich nicht ohne weiteres ausschließen und treten
unter Umständen erst Jahre später auf. Gewisse gesundheitliche Risiken sind
nun einmal nicht absehbar. Das gilt natürlich sowohl für Tierheimkatzen als
auch für Stubentiger, für die man 750 Euro auf den Tisch legen muss. Eine
Gesundheitsgarantie auf Lebenszeit kann einem auch kein Rassekatzen-Züchter
geben.
"Wir
untersuchen den Allgemeinzustand jeder Katze und impfen sie gegen
Katzenschnupfen und Katzenseuche", erklärt Marion Niederdorf. Zum routinemäßigen
Gesundheitscheck gehört auch die Entfernung von Parasiten wie Flöhen,
Ohrmilben, Zecken, etc. "Dennoch kann es geschehen, dass eine vermittelte
Katze trotzdem den einen oder anderen Floh hat. In einem Tierheim mit einem großen
Tierbestand ist es fast unmöglich, einen Flohbefall voll und ganz unter
Kontrolle zu bekommen", so Marion Niederdorf. Ist die Katze erst
vermittelt, dürfte es den neuen Besitzern nicht schwer fallen, auch den letzten
Floh zu beseitigen. Jeder Tierarzt kennt sehr wirksame Anti-Flohmittel, die den
kleinen Plagegeistern den Garaus machen.
Verhaltensstörungen
Einige
Tierheim-Katzen haben eine abenteuerliche Vergangenheit hinter sich, die eine
gewisse Verhaltensproblematik mit sich bringen kann. (Was selbstverständlich
nicht auf alle Katzen aus dem Tierheim zutrifft! Viele gliedern sich völlig
problemlos in ihre neuen Familien ein!).
Die
meisten Verhaltensstörungen verschwinden erfreulicherweise innerhalb absehbarer
Zeit, wenn man der betroffenen Katze Geduld, Liebe und Verständnis
entgegenbringt. "Angstverhalten, Aggressivität und Unsauberkeit sind immer
wieder ein Thema", weiß die Mülheimer Tierheimleiterin. Hat man eine
Tierheim-Katze adoptiert, die zu einer deutlichen Verhaltensstörung neigt,
sollte man ganz gezielt auf diese Problematik eingehen:
Angstverhalten
Eine
ängstliche Katze darf keinesfalls unter Druck gesetzt werden. Es wäre grundauf
falsch, sie aus ihrem Versteck zu zerren, sie gegen ihren Willen auf den Arm zu
nehmen oder sie unter Zwangsanwendung zu streicheln. Zuviel Druck vonseiten des
Menschen verstärkt das Angstverhalten der Katze nur noch. Vielmehr sollte man
der Katze jederzeit die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen und es ihr überlassen,
wann sie Kontakt zum Menschen sucht und wann nicht. Vielleicht möchte sie ihre
neue Familie erst einmal einige Wochen lang beobachten, bevor sie damit beginnt,
Vertrauen aufzubauen.
Es
spricht allerdings nichts dagegen, einen verängstigten Stubentiger ab und an
sanft aus der Reserve zu locken: Liebevolles Zureden, der Einsatz von Leckerchen
und interessantem Spielzeug können durchaus helfen, die Beziehung zur Katze zu
verbessern. Auch wenn die Katze anfangs kein Interesse zeigt, kann es sein, dass
sie eines Tages urplötzlich den ersten Schritt wagt und ganz von selbst auf
ihre neuen Besitzer zukommt.
Aggressivität
Aggressives
Verhalten hat oft eine ganz einfache Ursache: Angst. Katzen, die sich als sehr
ängstlich erweisen, können unter Umständen aggressiv reagieren, wenn sie sich
in die Enge getrieben fühlen. Deshalb ist es wichtig, scheue Katzen nicht mit
Zwangsmaßnahmen zu therapieren, die sie nur noch unsicherer machen würden.
Aggressivität kann natürlich auch eine Reaktion auf menschliche
Verhaltensfehler sein: Viele Katzen verabscheuen es beispielsweise geradezu,
festgehalten zu werden. Katzenunerfahrene Menschen neigen manchmal dazu,
Stubentiger gegen ihren Willen auf den Schoß zu heben und dort "zwangszustreicheln".
Katzen mit Charakter lassen sich solche Pflichtübungen nicht gerne gefallen und
äußern ihren Unwillen unmissverständlich. Versteht der Zweibeiner sie dann
noch immer nicht, kann es durchaus geschehen, dass aus Samtpfoten plötzlich
messerscharfe Klingen werden.
Katzenhalter
mit Kindern stehen einer besonderen Herausforderung gegenüber: Sie müssen
ihrem Nachwuchs beibringen, wie man mit einer Katze umzugehen hat - ansonsten
wird der Stubentiger eventuell auf sein Aggressionspotential zurückgreifen, um
den Kleinen das beizubringen, was die Eltern versäumt haben. Dann heißt es natürlich
sofort: "Die Katze ist gefährlich. Sie hat unser Kind gekratzt!" -
Nicht selten landen solche Katzen kurzerhand im besagten Tierheim. Wer vorsorgen
möchte, sollte Stubentiger und kleine Kinder prinzipiell nicht ohne Aufsicht
miteinander spielen lassen. Eine Katze ist nun einmal ein Tier und kann sich
nicht verbal äußern, wenn ihr die rüden Umgangsformen eines nach ihrem
Schwanz grabschenden krabbelnden Zweibeiners nicht gefallen.
Unsauberkeit
Die
Unsauberkeit von Katzen ist ein heißdiskutiertes Problem. Sicherlich gibt es
viele verschiedene Ursachen, die zum Absetzen von Kot und Urin außerhalb der
Katzentoilette führen. Organische Defekte kommen hierbei sicherlich auch
gelegentlich zum Tragen, viel häufiger sind jedoch psychische Aspekte: Ein
Besitzerwechsel, eine neue Umgebung, zuwenig Aufmerksamkeit... Es gibt viele äußere
Umstände, die dazu führen können, dass eine Katze unsauber wird. Bei
Tierheim-Katzen kommen mehrere Faktoren zusammen: Sie wurden ausgesetzt,
abgegeben oder eingefangen. Das Tierheim ist ein unbekannter Ort; die meisten
Katzen sind es nicht gewöhnt, eingesperrt zu sein. Dann kommt ein neuer
Besitzer und wieder wird alles anders. Sensible Stubentiger können auf diese
turbulenten Lebensumstände mit einer vorübergehenden Unsauberkeit reagieren,
die jedoch in fast allen Fällen in den Griff zu bekommen ist. Es ist ratsam zu
überprüfen, ob das neue vierbeinige Familienmitglied
überhaupt daran gewöhnt ist, eine Katzentoilette zu benutzen!? Vielleicht
handelt es sich ja um einen eingesessenen Freigänger, der sein Geschäft
prinzipiell nur im Garten verrichtet. Eine solche Katze benötigt Auslauf. Natürlich
kann man auch ausgewachsene Katzen an den Gebrauch einer Toilette gewöhnen:
Verrichten sie ihr Geschäft mitten im Wohnzimmer, signalisiert man Unwillen,
indem man seine Stimme einsetzt (Ein deutliches "Nein!" ist besser als
eine zehnminütige Schimpfkanonade!). Auf gar keinen Fall sollte man Hand an
seine Katze legen! Schläge und grobe Behandlungen bringen rein gar nichts und würden
die Verhaltensstörung nur verstärken. Nach der mündlichen Verwarnung wird der
Stubentiger umgehend zur Katzentoilette gebracht und hineingesetzt. Geht er von
selbst hinein, wenn seine Blase drückt, ist sofort ein großes Lob fällig. Man
sollte dem neuen Familienmitglied einfach Zeit geben, sich an die neuen
Lebensumstände zu gewöhnen - auch wenn der Prozess unter Umständen Monate
dauert. Katzen brauchen das Gefühl von Geborgenheit und Harmonie, um glücklich
zu sein. Sobald sie merken, dass ihnen bei ihren neuen Menschen kein Leid widerfährt,
beginnen sie sicherlich damit, zarte Bande aufzubauen und das ist der erste
Schritt, um Verhaltensstörungen wieder abzubauen.
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Fragen,
die man sich vor der stellen |

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Adoption einer Tierheimkatze
sollte:
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Habe ich überhaupt die Möglichkeiten und genügend Zeit, um eine Katze
artgerecht zu halten?
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Sind andere Haustiere vorhanden? Kann man die Tierheimkatze in die vorhandene
Gruppe integrieren?
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Wähle ich eine Wohnungskatze oder einen Freigänger?
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Weiß ich, was eine Katze zum Wohlfühlen braucht?
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Bin ich dazu bereit, die adoptierte Katze auch dann zu behalten, wenn sie nicht
meine Erwartungen erfüllt?
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Habe ich mich ausreichend über das Wesen und die Ansprüche von Katzen
informiert?
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Weiß ich, wie ich der Katze über die Eingewöhnungsphase hinweghelfen kann