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Mythos
Katze |
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Kein
Tier wie jedes andere
Sie
ist eines der beliebtesten Haustiere der Menschen. Aber sie ist auch weit mehr.
Die Katze ist seit Jahrtausenden in den unterschiedlichsten Kulturkreisen der
Welt zum Mythos geworden. Die Geschichte der Beziehungen des Menschen zum Tier
ist ein wichtiger und sehr spannender Bestandteil unserer Kulturgeschichte.
Felidae
- so der lateinische Name der mit scharfen Eckzähnen ausgestatteten
fleischfressenden Raubtiere. Unsere Hauskatze ist ursprünglich eine Zuchtform
aus einer schon im Altertum gezähmten nordafrikanischen Katze mit einer europäischen
Wildkatze. Seit Jahrhunderten ist sie aus unserer Umwelt nicht mehr wegzudenken,
in anderen Kulturkreisen spielte sie schon vor vielen Jahrtausenden eine
wichtige Rolle.
Mit
der Herausbildung des homo sapiens hatte der Mensch eine Entwicklungsstufe
erreicht, auf der er in der Lage war, sich selbst als unterschiedlich zum ihn
umgebenden Tierreich zu erkennen. Dennoch lebte er noch lange Zeit in Harmonie
und Frieden mit den anderen Wesen der Schöpfung, auch wenn er diese für sein
eigenes Überleben als Nahrung brauchte.
Erste
Kulte entstanden um die Tiere. Berühmt sind z.B. die Felszeichnungen in frühgeschichtlichen
Höhlen oder der in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitete Bärenkult.
Dabei legte der bärenjagende Frühmensch, nachdem er sein Beutetier verspeist
hatte, die übriggebliebenen Knochen in einer bestimmten Anordnung ins Grab. So
sollte dem Tier die Wiederauferstehung ermöglicht werden.
| Das alte Ägypten | ![]() |
Ähnliches
ist uns auch von den Katzen im alten Ägypten überliefert. Wie bei Menschen und
bei anderen Tieren, gaben sich die Ägypter viel Mühe, verstorbene Katzen
kunstvoll zu mumifizieren und an besonderen heiligen Orten zu bestatten. So
sollte ihnen ein Weiterleben nach dem Tod gesichert werden. Der Mythos von der
unsterblichen Seele ist einer der ältesten der Menschheit.
Schon
der berühmte griechische Geschichtsschreiber Herodot schrieb im fünften
vorchristlichen Jahrhundert über Ägypten: "Und wenn in einem Haus eine
Katze eines natürlichen Todes stirbt, so scheren sich alle Bewohner die
Augenbrauen."" Herodot erzählt auch, dass beim Brande eines Hauses
nicht eher mit dem Löschen begonnen wurde, bevor nicht die Katze gerettet war.
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Für
die alten Ägypter war die Katze nicht nur ein Tier unter vielen. Schließlich
wurden am Nil auch Ibisse, Skarabäus-Käfer und Schlangen verehrt. In der
Hierarchie der Anbetung aber standen die Katzen am höchsten. Die Ägypter
stellten Bastet, die Göttin der Güte und Gemahlin des Sonnengottes Ra, mit
einem Katzenkopf dar. Es ist kein Zufall, dass Götter und Pharaonen häufig als
Zwitterwesen zwischen Mensch und Tier dargestellt wurden. Positive
Charaktereigenschaften der Tiere wurden so symbolisch mit dem Menschen in
Verbindung gebracht. Die Sphinx, halb Pharao, halb Löwe oder Katze, ist eine
der bekanntesten Darstellungen dieser Art.
Auch
das frühe Christentum akzeptierte das Tier noch als zu achtendes Mitgeschöpf.
Lamm, Taube und Fisch waren die Symboltiere der neu entstandenen Religion. Mehr
und mehr betonte die Kirche im Laufe der Jahrhunderte aber die Herrschaft des
Menschen über die Natur. Das Tier wurde zum Untertan.
Der
Katze kam in dieser Epoche eine neue Rolle zu. Sie war ein nachtaktives Tier,
was sie gleich verdächtig machte, mit den dunklen Mächten in Verbindung zu
stehen. Der Mythos von der gefährlichen dämonischen Katze entstand. Der
unwissend gehaltenen Volksseele wurden Gruselgeschichten von den
Erscheinungsformen des Teufels in der Gestalt verschiedener Tiere, darunter der
Katze, eingetrichtert.
Inquisition
Um
das 10. Jahrhundert verbreitete sich die Hauskatze in Nordeuropa, zum Schutz der
noch seltenen Tiere wurden sogar spezielle Gesetze erlassen. Kurz darauf änderte
sich die Situation. Wenn z.B. schwarze Katzen lebendig im offenen Feuer
verbrannt wurden, von Türmen heruntergeworfen oder auf Stangen gespießt
wurden, so war das Ausdruck einer bewusst kultivierten Wahnidee des
Christentums. Auch Prozesse wurden etwa in den Hochzeiten der Inquisition gegen
Katzen und andere Tiere abgehalten, die des Pakts mit dem Teufel bezichtigt
wurden. Der "christliche" Mensch hatte sich in seinem Bewusstsein vom
harmonischen Miteinander mit der Natur verabschiedet.
Angestiftet
von der kirchlichen Lehre hielt die Katze Einzug in den Volksaberglauben, wo sie
bis heute ihren festen Platz hat. Die Katze erwies sich als das Haustier,
welches seine Unabhängigkeit vom Menschen am stärksten bewahrte, sich nicht
bedingungslos unterordnete. Dazu kam ihr schleichendes, nachtwandlerisches
Wesen, ihre schauerlich klingenden Liebesgesänge in der Nacht und ihre im
Dunklen unheimlich glühenden Augen.
Die
schwarzen, dreifarbigen und in manchen Gegenden auch die roten Katzen standen
besonders im Mittelpunkt des Aberglaubens. So sollten die dreifarbigen Samtpfötchen
Haus und Hof vor Feuer schützen, während die roten dies heraufbeschworen. Wer
eine dreifarbige Katze tötete, dem wurden sieben Jahre Unglück vorhergesagt.
Andererseits hat man aber auch Dreifarbige lebendig ins Feuer geworfen, weil man
ihnen die Fähigkeit zuschrieb, den Brand zu löschen. In einigen Gebieten
wurden sie mit Hexen gleichgesetzt. Ein Glaube der dadurch begünstigt wurde,
dass dreifarbige Katzen immer weiblichen Geschlechts sind.
Aberglaube
Allen
Katzen, unabhängig von ihrer Farbe, wurde nachgesagt, dass sie in der Lage
sein, die Krankheiten von Hausangehörigen auf sich zu ziehen. Wollte man einem
Nachbarn aber Böses tun, so vergrub man eine Katzenleiche heimlich unter der
Schwelle seines Hauses. Heute noch ist mancher Zeitgenosse davon überzeugt,
dass Besuch zu erwarten sei, wenn die Katze sich putzt. Und selbst der modernste
Mensch im ausgehenden 20. Jahrhundert macht sich so seine Gedanken, wenn eine
schwarze Katze seinen Weg von links nach rechts kreuzt.
Vorwiegend
negative Eigenschaften wurden den Katzen also zugeschrieben. Immerhin bediente
man sich der Stubentiger in früheren Zeiten als Lieferant verschiedener
Wundermittel. Lebendige schwarze Katzen vergrub man in grauer Vorzeit, um so die
Erdgeister zu beschwichtigen. Es ist noch nicht lange her, da wurden ihnen Löcher
in die Ohren geschnitten, um das herausfließende Blut zu Mitteln gegen Dämonen
zu verarbeiten.
In
manchen Gebieten nutzte man auch Kot, Harn und Fleisch als Wundermittel. Ihr
wichtigstes Produkt war und ist jedoch bis heute das Fell zur Linderung
rheumatischer Beschwerden. Weit verbreitet war auch die Meinung, dass
Katzenfleisch gegen Schwindsucht helfen sollte. Katzenhaare dagegen fürchtete
man, da Kinder, die sie verschluckten, das Wachstum einstellen sollten.
Erst
in jüngster Zeit beginnen die Menschen im Zuge der Esoterik-Welle, sich mit der
Katze und ihrem schwierigen Charakter zu versöhnen. Dabei wird sie aber nach
wie vor nicht als das betrachtet was sie ist: ein normales Geschöpf der Natur
mit seinen speziellen Fähigkeiten. Vielmehr sind es die überlieferten
"geheimnisvollen Eigenschaften", die aus ihr in den Augen vieler
Zeitgenossen das machen, was sie seit Jahrtausenden ist: Der Mythos Katze.